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DER FESTIVAl-SONNTAG: KULTURTECHNIKEN DES UNLESENS

 

Lesen ist, wie Feuer machen, Ackerbau, die Fähigkeit zum künstlerischen Tätigsein und das Durchfeiern von Wochenenden, eine Kulturtechnik – ein Konzept zur Bewältigung von Problemen in einem gesellschaftlichen Zusammenhang. Wie aber sieht es mit dem Unlesen aus? Gibt es eine Kulturtechnik des Nichtlesbaren, des Nicht-Leseverstehens, des Nichtgelesenen? Eine Reise ins „Reich der Zeichen“ wird unternommen und später zu den linken Lesekulturen der 1970er und 1980er mit Philipp Felschs Vortrag „Die Geste des Lesens im Spätkapitalismus“.

 

 

16:30 Uhr – Im Reich der Zeichen

 

Tba.

Moderation: Maka Blank

 

Der Philosoph und Zeichentheoretiker Roland Barthes bereiste in den späten 1960er Jahren Japan und schrieb über das von ihm erlebte, gleichsam fiktive ‚Japan’ einen Text, den wir zum Ausgangspunkt unserer Erkundungen in die Materialität der Sprache jenseits ihrer Bedeutung nehmen. In Das Reich der Zeichen (1971) verfolgt Barthes eine Utopie des leeren Zeichens, des Signifikanten, der sich vom Signifikat, von Referenz und Bedeutung getrennt hat. Die Erfahrung einer solchen – utopischen – Wahrnehmung des japanischen Zeichensystems als Hülle aus Tönen empfindet der Fremde als zugleich verstörend wie lustvoll – er löst sich als Subjekt auf im Spiel der Zeichen.

 

Das Angebot, das unsere Veranstaltung macht, ist ein vielfaches: Für eine Mehrheit der Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und die Muttersprache der Autor*innen, die hier lesen, nicht sprechen oder verstehen dürften, geht es um das Ungefilterte, nicht pädagogisch Verbrämte Erleben von Sprachen, – und zugleich für Muttersprachler*innen darum, literarische Texte außerhalb der bestehenden Communities zu hören und zur Diskussion gestellt zu sehen. Zugleich ist die Veranstaltung ein Kommentar zur Gegenwart, insofern sie zeigt, dass die Menschen, die in den letzten Jahren und Monaten Deutschland zu ihrer neuen Heimat gemacht haben, freiwillig oder unfreiwillig, nicht nur neue Stimmen und Sprachen mitgebracht haben, sondern auch dem literarisch-künstlerischen Diskurs neue Dimensionen verleihen.

 

Die Veranstaltung findet voraussichtlich in Arabisch, Lettisch, Georgisch, Bosnisch und mit Gesprächen auf Deutsch und Englisch statt.

 

Block III_

Tickets: 8€ / 6 € ermässigt

11:00 / bei schönem Wetter auf der Betonwiese_ Kater-Künstler Frühstück.

12:00 / Große Bühne_ Galgenstücke. Chansons für die Apokalypse mit Richard Siedhoff & Thomas Grysko.

15:00 / Große Bühne_ Die Abenteuer des Prinzen Ahmed. 16mm-Film mit Richard Siedhoff am Klavier.

16:00 / Gartenbühne_ Nimmersatt & Gros. Konzert.

16:30 / Große Bühne_ Im Reich der Zeichen. Lesung und Gespräch mit vier Schriftsteller*innen anderer Muttersprache. Zuhören und phantasieren.

17:00 / Kleine Bühne_ Die Epilog: Oxen/Ebeling/Greiner.

17:00 / Gartenbühne_ Retronom DJ-Team.

18:30 / Große Bühne_ Philipp Felsch. Technik des (Un-)Lesens. Vortrag und Lesung.

19:30 / Große Bühne_ Frank Witzel. Lesung.

20:30/ Kleine Bühne_ Manuel Inacker: Pallasseum. Film und Gespräch.

 

Außerdem: Kridders WandArt, LeseInsel, Büchermarkt, Libronauti Verlag: Druckwerkstatt, Buchkinder Leipzig e.V., Metamorphosen, Kultur & Gespenster, Die Epilog, Das Wetter, Café Hilgenfeld e.V. , LyrikAutomat, Buchkinder Leipzig e.V., der Bibliothek von Babel, All The World’s A Page, Stempelstand und vieles mehr…

Mehr Infos unter Autor*innen und Künstler*innen.

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