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DER FESTIVAL-SAMSTAG: FIKTIVE FIKTIONEN

 

Unlesbar, weil nicht da – so banal lässt sich unser Schwerpunkt auf der großen Bühne am Samstag zusammenfassen. Unlesbar, weil nicht geschrieben, weil Fantasieprodukt geblieben, sind die Bücher, die wir hier präsentieren. Und Wolfram Lotz führt Unmögliches Theater auf.

 

15:30 – Die vollkommene Leere:

 

Moira Frank – Marie Gamillscheg – Thorsten Krämer – Robert Stripling

Moderation: Matthias Wannhoff

 

Bücher in Büchern – eine eigene Gattung, die viel zu wenig beachtet ist, dabei ist die Literaturgeschichte voll von ihnen: Von Werken, die kurz in anderen Werken nacherzählt werden, deren Autor*innen Figuren in Roman anderer sind, die vielleicht sogar in Ausschnitten im geschriebenen Buch auftauchen. Die Ur-Erzählung der modernen fiktionalen Fiktion ist sicher, wenn es auch nicht das erste Werk ist, das sich damit auseinandersetzt, Jorge Luis Borges’ Bibliothek von Babel (1941), die eine unendlich große Bibliothek mit allen mathematisch möglichen Kombinationen des Alphabets in Buchform imaginiert und in deren Unendlichkeit sich die Menschen verlieren. Roberto Bolaño machte aus fiktiven Autoren und Büchern ein eigenes Kompendium: Die Naziliteratur in Amerika (1996), und auch in seinem Hauptwerk 2666 (2004) stellt er mit Benno von Archimboldi einen fiktiven Schriftsteller ins leere Zentrum der Reste von Handlung. In Albert Camus’ Die Pest (1947) versucht der Rathausangestellte Grand, ein Held auf den zweiten Blick, einen großen Roman zu schreiben, der jedoch nie über den ersten Satz hinauskommt – seine Amazone wird ewig reiten. Was ihn zu einem guten Kandidaten für unsere zweite Veranstaltung im Themenblock macht – aber dazu: siehe unten.

 

Und dann wäre da noch der polnische Autor Stanisław Lem, bekannt für seine vor Ideen explodierende Science-Fiction-Literatur, als Philospoh und Essayist aber ein literarischer Allrounder. In seinem Buch Die vollkommene Leere (1971) sammelt er fiktive Rezensionen – Besprechungen nichtexistierender Bücher, von der Rede eines Nobelpreisträgers zur Kontingenz der Naturgesetze (Alfred Testa: Die neue Kosmogonie) hin zu ‚Asex-Ploitation’ (Simon Merril: Sexplosion). Für unsere Veranstaltung baten wir vier großartige etablierte und neu zu entdeckende Autor*innen mit unterschiedlichsten Hintergründen (von Journalismus bis konzeptuelle Lyrik), Ausschnitte aus diesen Werken für uns Realität werden zu lassen.

 

17:00 – Das brutale Scheitern

 

Frauke Angel – Nils Mohl – Johanna Müller – Stephan Roiss

Moderation: Julia Schiefer & Steffen Greiner

 

Infinite Jest? Hätten wir doch alle schreiben können, hätten wir so harte Depressionen, dass uns nichts übrigbliebe, als uns zu verbeißen. Krieg und Frieden? Na klar, beim Zähneputzen entworfen, leider waren wir keine gärtnernden Oberschichtler, die es sich hätten leisten können, das auch tatsächlich runterzuschreiben. Außerdem gab es halt einfach immer Besseres zu tun, mal auch zu wenig Energie oder zu wenig Talent. Aber sicher ist sowieso: „Das Werk ist die Totenmaske der Konzeption“, wie Walter Benjamin feststellte. In diesem Sinne suchten wir nach den wirklich lebendigen Werken, nach denen, die im Kopf herumspuken und sich einfach weigern, sich zwischen Buchdeckeln begraben zu lassen.

 

Wir fragten Autor*innen, und wir bekamen zahlreiche Antworten mit wundervollen Konzepten, mal zu ehrgeizig, mal zu irre, zu witzig für das echte Leben. Einige dieser Autor*innen haben wir nun eingeladen, uns ihre gescheiterten, nicht umsetzbaren Werke zu präsentieren. Von der Pixie-Buchreihe bis zum postdramatischen Theater ist alles dabei – und es gilt einen Publikumspreis zu verleihen: Den Walter-Gohse-Preis des gescheiterten Buchs.

 

Block I_

Tickets: 6€ / 4 € ermässigt

14:00 / Große Bühne_ Maja Bohn. Lesung: Kinder und Jugendbuch.

15:00 / Gartenbühne_ Nico Max Lindenberg. Lesung: Kinder und Jugendbuch.

15:30 / Große Bühne_ Die vollkommene Leere. Lesung von Texten inspiriert von Stanislaw Lems Rezensionen fiktiver Romane und Gespräch mit Thorsten Krämer, Moira Frank, Robert Stripling, Marie Gamillscheg moderiert von Matthias Wannhoff.

16:00 / Kleine Bühne_ Metamorphosen: Joshua Groß. Lesung.

17:00 / Große Bühne_ Das brutale Scheitern. Lesung + Gespräch mit vier Autor*innen über gescheiterte/ zum Scheitern verurteilte Buchprojekte. Mit Frauke Angel, Nils Mohl, Johanna Müller, Stephan Roiss moderiert von Julia Schiefer und Steffen Greiner.

17:00 / Kleine Bühne_ Sechzehnmal Poetry Film + Publikumspreisverleihung / Präsentiert vom PoetryFilmKanal.

18:00 / Kleine Bühne_ Das Wetter & Korbinian Verlag: Eric Keil und Sascha Ehlert. Lesung

18:00 / Gartenbühne_ Open Stage.

Block II_

Tickets: 12 € / 10 € ermässigt, ab 00:00 6 €

19:30 / Große Bühne_ Alban Nikolai Herbst. Lesung Anderswelt-Trilogie.

20:30 / Große Bühne_Wolfram Lotz: Das unmögliche Theater – jetzt erst recht!
Lesung

21:30 / Kleine Bühne_ HANT. Magazin für Fotografie: Release Ausgabe #7

23:00 / Große Bühne_ Meltdown. Konzert.

23:30 / echoblechraum. Performance und Klanginstallation.

00:00 / Daizy&Holy: Smaex & JJ Kool. DJ-Set.

 

Außerdem: Kridders WandArt, LeseInsel, Büchermarkt, Libronauti Verlag: Druckwerkstatt, Buchkinder Leipzig e.V., Metamorphosen, Kultur & Gespenster, Die Epilog, Das Wetter, Café Hilgenfeld e.V. , LyrikAutomat, Buchkinder Leipzig e.V., All The World’s A Page, Stempelstand und vieles mehr…

 

Mehr Infos unter Autor*innen und Künstler*innen.

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